Das Time Magazine betreibt seit einiger Zeit eine zweite, für menschliche Nutzer unsichtbare Website-Version – ausschließlich für KI-Crawler. Diese Seiten enthalten speziell für Chatbot-Systeme optimierte Werbung, die später in KI-Antworten landen soll. Ein Geschäftsmodell, das die Grenzen zwischen echtem Journalismus und manipulierter KI-Fütterung verschwimmen lässt.

Als Cyber-Psychologe beunruhigt mich vor allem die systematische Täuschung von KI-Modellen, die als "vertrauenswürdige Informationsquellen" agieren. Wenn Zeitungen gezielt Fiktionen in ihre KI-Indexe einbauen, entsteht eine zweite, künstliche Realitätsebene, die Nutzer unbemerkt beeinflusst. Das Risiko: Benutzer beginnen, Chatbots stärker als Relevanz- und Wahrheitslieferanten zu vertrauen, während die Quellen ihrer Information faktisch manipuliert werden.

Ethisch brisant ist zudem die Kommerzialisierung von KI-Lernprozessen. Durch die Einbettung von Werbung in scheinbar neutrale Webseiten für Crawler wird die KI nicht nur inhaltlich geformt, sondern auch kommerziell ausgenutzt. Dies untergräbt die grundsätzliche Idee "offener Informationszugänge" im Web und stärkt Konzerne, die über die größten Trainingsdatenmengen verfügen.

Die Praxis zeigt: Die Digitalisierung des Journalismus verändert nicht nur Arbeitsabläufe, sondern auch das Verhältnis zur Wahrheit.


Quelle: heise online

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