Die Befunde der Bitkom-Umfrage wirken auf den ersten Blick paradox: 99 Prozent der Deutschen wollen digitale Unabhängigkeit, aber nur 6 Prozent setzen auf KI-Angebote aus der EU. Dies spiegelt ein grundlegendes Vertrauensdefizit wider – nicht nur gegenüber Technologie, sondern gegenüber institutionellen Garantien für datenschutzkonforme KI-Angebote.

Als Cyber-Psychologe sehe ich hier ein deutliches Signal: Der Wunsch nach Unabhängigkeit wird oft mit Sicherheit verwechselt. Doch Sicherheit entsteht nicht aus dem bloßen Willen nach Eigenständigkeit, sondern aus nachvollziehbaren Handlungsoptionen. Wenn es keine funktionierenden, vertrauenswürdigen und zugänglichen Alternativen gibt, bleibt der Wunsch leer.

Zudem zeigt die Umfrage, *dass Nutzerinnen KI-Lösungen oft nicht nach ihrem Ursprungsland beurteilen, sondern nach dem Nutzen, dem Preis und der Vertrautheit.** Die EU-KI-Strategie braucht nicht nur rechtliche Sicherheit, sondern auch psychologische Relevanz. Sonst bleibt sie im Diskurs der Technokraten stecken – und verliert den Bezug zur Realität.

Um Digitalisierung zu vertrauen, braucht es nicht nur gute Gesetze – sondern auch sichtbare Erfolgsgeschichten.


Quelle: heise online

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