Die EU-Kommission bereitet sich darauf vor, ChatGPT und Roblox als "Very Large Online Platforms" (VLOP) einzustufen, was strengere regulatorische Auflagen nach sich zieht. Hintergrund ist der Digital Services Act, der Plattformen mit über 45 Millionen EU-Nutzern in engerer Beobachtung hält. Dieser Schritt wird oft als Schutz der digitalen Öffentlichkeit gefeiert – doch er birgt auch tiefere psychologische und ethische Konsequenzen.

Für Nutzer:innen entsteht ein paradoxer Freiheitsverlust: Je enger Regulierungsmechanismen greifen, desto mehr wird das Vertrauen in die Selbstbestimmung abgebaut. Wenn KI-Plattformen stärker kontrolliert werden, sinkt das Bewusstsein, eigene Entscheidungen über Nutzung und Einflussnahme treffen zu können. Psychologisch gesehen kann dies zu einer "digitalen Passivität" führen, bei der Nutzer:innen ihre Rolle im digitalen Raum aufgeben und sich stattdessen auf institutionelle Vorgaben verlassen.

Zudem bleibt die Frage unberührt, ob KI-Regulierung überhaupt die richtige Ebene ist: Die Verhaltensmuster der Nutzer:innen – etwa die Sucht nach sofortiger Bestätigung durch Algorithmen – werden durch staatliche Auflagen kaum beeinflusst. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Begleitung des Einzelnen, nicht in der Zwangsjacke von Plattformen.

Die EU setzt mit dieser Maßnahme auf Sicherheit, riskiert aber, die Dynamik des digitalen Lernens zu untergraben. Freiheit im digitalen Raum ist kein Selbstzweck, aber sie ist die Grundlage für kritische, resiliente Bürger:innen. Die Frage bleibt: Wer entscheidet über die Grenzen der Technik – die Mächtigen oder die Nutzer:innen selbst?


Quelle: heise online

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